Immer wieder stelle ich mir die Frage, warum viele Unternehmen der digitalen Präsentation im Netz keine oder nicht genug Bedeutung beimessen. Dabei liegen die Vorteile klar auf der Hand. Oft scheitert es jedoch am Know-How oder zumindest an unzureichenden Verständnis für diesen Bereich. Es sei etwas für junge Leute, Spielerei oder einfach nur viel zu teuer. Und anstatt irgendwas zu machen und Dinge online zumindest mal auszuprobieren, wird lieber gar nichts gemacht oder zu verkopft gedacht.

Der Preis ist hoch, denn die Konkurrenz schläft nicht, zieht am eigenen Unternehmen vorbei, generiert mehr Umsätze oder entwickelt daraus gar neue Geschäftsmodelle und gräbt der eigenen Firma schleichend die Bekanntheit und die Grundlagen ab. Stellt sich dann doch Einsicht ein, ist es meistens zu spät. Das muss doch nicht sein. Deswegen werbe ich immer und überall für Verständnis für die digitalen Möglichkeiten und versuche Lösungswege aufzuzeigen, damit Unternehmen nicht den (Internet-)Anschluss verlieren.

Online-Plattformen als digitale Schaufenster sehen

Es gibt viele Unternehmen, die großartige und qualitativ hochwertige Produkte oder Dienstleistungen anbieten. Diese haben meistens dann von Haus aus nicht viel mit dem Internet zu tun. Das sollte aber nicht das Argument sein, online untätig sein zu wollen. Um anders über diesen Bereich zu denken, hilft oft die Vorstellung, die vielfältigen Verbreitungswege als digitales Schaufenster zu sehen, in welche die Produkte reingestellt werden können. Klar, das muss auch mal vernünftig getan und gepflegt werden, aber so wäre dann zumindest mal ein Anfang gemacht. Und dieser beginnt bei der eigenen Website.

Oft sehe ich Websites, die lieblos, steinalt, nicht mehr aktuell und schon gar nicht mobil-optimiert sind. Das sind nicht nur schlechte Voraussetzungen, um bei Google gefunden werden zu können, sondern bieten auch der anvisierten Zielgruppe kein gutes Nutzererlebnis. Ungeachtet der Möglichkeiten, die die vielen Plattformen im Bereich Social-Media bieten, ist eine optisch und technisch moderne Website die Pflicht, während alles andere die Kür ist.

Ist die Website erstmal erstellt oder auf Vordermann gebracht, gilt es, diese Inhalte für die Zielgruppe auffindbar zu machen. Dazu gehört zumindest eine Facebook-Seite und ein Google-Unternehmensaccount.

Instagram, TikTok, Podcast, Etsy und der ganze andere fancy Sh*t

Eine vernünftige Website und ein paar grundlegende Accounts, Verknüpfungen und Eintragungen in diverse Verzeichnisse sind zwar schon ein Anfang, aber das reicht natürlich nicht, um richtiges Brand-Building im Netz voran zu treiben. Ich will hier gar nicht ins Detail gehen, was angesichts der vielfältigen Möglichkeiten je nach Branche jeden Rahmen sprengen würde, aber ich möchte ein paar Denkanstöße geben und Szenarien anhand eines Tischlerbetriebs aufmachen.

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Instagram
Ein Account auf Instagram macht auf jeden Fall Sinn und sollte ähnlich wie eine Facebook-Seite zur Pflicht gehören und direkt miteinander verknüpft werden. Das Netzwerk hat viele Möglichkeiten für KMUs, sich zu präsentieren. Sind die Produkte des Unternehmens sehr optisch und bieten variable Anwendungszwecke und Beispiele, dann kann das dort mittels Fotos, Videos, Storys und Reels dokumentiert werden. Wie sieht die Arbeit eines Tischlers aus? Welche Tipps hat dieser für DIY-Möbel? Wie wird ein Designer-Stück gefertigt? Worauf muss beim Kauf einer Kapsäge geachtet werden? Die Top 5 der häufigsten Fehler beim Bau von Palettenmöbel?

All die Dinge, die ein Tischler weiß und relevant für seine Zielgruppe sind oder sein könnten, können über Instagram (und alle anderen Plattformen) gezeigt, erklärt und bebildert werden. Ist der Chef oder einer seiner Mitarbeiter eloquent und neugierig genug, steht dem nicht mehr viel im Wege. Und eine halbwegs brauchbare Kamera und ein Smartphone hat auch jeder zu Hause bzw. in der Hosentasche. Dass selbst ein Blumenladen eine Millionen-Reichweite und zehntausende Follower generieren kann, hat z.B. Blumen Hoffmann aus Hannover gezeigt.

TikTok
Hier wird es im Vergleich zu Instagram etwas jünger, aber dafür reduzierter auf eine Darstellungsform. Hier gilt es, kurze, unterhaltsame und/oder äußerst verständliche und wissenswerte Videos zu erstellen. Auch dafür ist auch nur ein Smartphone nötig. Formatideen sind hier auch schnell erdacht: “Was andere Menschen denken, was ein Tischler tut und was er wirklich tut”, “5 Fakten über die gängigsten Holzarten” oder “3 krasse Arbeitsunfälle, die jeder Tischler mal gehabt haben muss”. Wer keine Ideen für eigene Formate hat, kann dann zumindest auf Trends aufspringen. Und wenn es nur ein Tanzvideo in der Werkstatt ist. Die Videos können 1:1 als Reel bei Instagram recycelt werden.

Jetzt werden manche sagen: “Aber bei TikTok ist doch gar nicht die Zielgruppe für einen Tischler!!!” – Ja, das mag stimmen. Aber manchmal kommt es auch nur auf die Reichweite und den Impact an – auch das Image spielt eine Rolle. Dieses transportiert eben jene Offenheit, Kreativität und Selbstironie, die viele KMUs vermissen lassen. Und die Aussage “Sie sind doch der Tischler von TikTok!” ist sicher keine Beleidigung.

Podcast
Der Buzzword-Alarm geht weiter. Aber auch Podcasts sind für KMUs nicht zu unterschätzen, die viel zu erzählen haben. Hat der Job oder die Branche Vorurteile, mit denen man aufräumen kann? Gibt es relevanten und kreativen Input für die Hörer und die Zielgruppe? Besteht die Möglichkeit für Branchen-Crossover (Tischler trifft Versicherungsmakler) bei denen sich beide unterhaltsam und informativ austauschen können? Möglichkeiten, ein kleines Format zu entwickeln für Menschen, die eh gerne reden und keine Scheu vor dem Mikrofon und ihrer eigenen Stimme haben, gibt es genug.

Etsy
Dazu braucht man wirklich nicht mehr viel sagen. Hat der Tischler ein Talent, ein Produkt zu fertigen, welches er auf Etsy verkaufen kann, dann sollte er das tun. Vielleicht bietet sich auch ein Side-Business an, wie beispielsweise das Gravieren von Frühstücks- oder Schneidebrettchen, Holzschnitzereien oder Designer-Stücke.

YouTube
Keiner verlangt von dem GF oder eines Mitarbeitenden eines KMU, Youtuber zu werden. Aber auch dort bieten sich Möglichkeiten, dem Nutzer einen Mehrwert zu bieten. Hier lassen sich die Ideen von Instagram weiterführen bzw. jene umsetzen, die für Instagram zu umfangreich wären. Ist der Presenter dann noch eloquent und sympathisch, verleiht man der Firma so auch ein Gesicht.

Fazit

Wichtig ist zu begreifen: der Erfolg muss nicht kommen, aber er kann kommen. Voraussetzung dafür ist, die Dinge einfach mal auszuprobieren und Spaß dabei zu haben. Klar, es bedarf auch mitunter Zeit, sich in die Dinge einzuarbeiten und sich damit auseinanderzusetzen. Aber genau dafür gibt es auch Menschen, die Unternehmen dabei konzeptionell und praktisch unterstützen und als Content-Creator helfen können. Die KMUs und ihre Verantwortlichen müssen es nur wollen.